Palette of Sounds
Leo Bachmann, ein Grenzgänger zwischen Klassik und Jazz, ausgebildet
am Konservatorium Luzern ebenso wie beim Jazz-Tubisten Bob Stewart in New
York, hat für seine Palette of Sounds eine Mischform aus
Komposition, Konzept und Improvisation gewählt. Jedes Bild
wird von einer kompositorischen Idee getragen, die teils verbal, teils in
Noten fixiert vorliegt, aber improvisatorisch realisiert wird. Sie fungiert
gleichsam als zündender Funke, an dem sich die spontane
musikalische Äusserung entfacht. So entsteht ein imaginäres Bilderbuch,
das bei jeder Präsentation anders ausfällt, dessen Geschichten
in ihrem Charakter aber durch die Partitur grob umrissen sind.
Blättert man das Bilderbuch durch, so findet man die Tuba darin mal
sinnierend, mal aufgebracht oder gar im Dialog mit sich selbst. In Red
Disc beispielsweise scheint sich das nervös argumentierende Instrument
mit einem ruhigen Ostinato selbst zu beschwichtigen. Und an Merger
sind gleich drei beteiligt Jazzriffs, die sich im Laufe ihres Gesprächs
so sehr ereifern, bis sie sich zu einem nicht mehr entwirrbaren Knäuel
verstrickt haben. Daneben gibt es Klanglandschaften wie die farblich changierenden
Trillerflächen in Glitter oder das gespenstische Stimmungsbild
Dirty mit seinen gurgelnden Klängen. Hier sind es in die
Tuba gesungene Töne, die sich im Zusammenspiel mit einem Bordun im
Innern des Instruments zur geheimnisvollen Melodie formieren, während
die perkussiven Schnaufer der Zirkularatmung dem Ganzen einen unregelmässigen
Puls verleihen. Vokaleinsatz des Instrumentalisten ist auch in Colored
Shadow gefordert, der klanglichen Einfärbung einer rhythmisch
aus dem Ruder laufenden Walking-Bass-Linie, oder in Mixed
Colors, womit das Buch feierlich wie ein Choral beschlossen wird.
Nicht zu vergessen sind auch die Szenarien, die die Groteske streifen, wie
etwa die Alpenidylle ohne Echo (Missing Echo) oder das klagenreiche
Second Hand Paint der Gesang eines melancholischen Elefanten
bei Vollmond.
Die Tuba als Alphorn, als Tierstimmenimitator, als Streithahn, melancholisch,
feierlich oder skurril was auf dieser CD als Palette of Sounds
zu hören ist, ist nichts weniger als ein Kompendium tubistischer Ausdruckswelten.
Und dieses lehrt uns vor allem eines: Das Klischee von der trägen und
unflexiblen Tuba ganz schnell wieder in der Schublade verschwinden zu lassen.
Elisabeth Schwind (Freiburg/D) |